Huren und Nutten in Deutschland: Wie viele Prostituierte arbeiten wirklich hier?
Kaum ein Thema wird so kontrovers diskutiert wie die Prostitution in Deutschland. Die einen nennen Deutschland den „Puff Europas“, die anderen verteidigen das Recht auf sexuelle Selbstbestimmung. Doch wie viele Huren und Nutten arbeiten eigentlich wirklich hier? Die Antwort ist komplex – und die offiziellen Zahlen bilden nur die Spitze des Eisbergs ab.
📊 Die Zahlen im Überblick
Je nach Quelle und Zählweise variieren die Angaben massiv:
| Quelle / Kategorie | Anzahl | Bemerkung |
|---|---|---|
| Offiziell angemeldete Prostituierte | ca. 30.000 – 40.000 | Stand 2022, nur rund 10 % der geschätzten Gesamtzahl |
| Schätzung der Unionsfraktion | mindestens 250.000 | Deutlichste politische Schätzung |
| Höchste Schätzung (Regierungsangaben) | bis zu 400.000 | Behörden gehen von hoher Dunkelziffer aus |
| Sozialversicherungspflichtig beschäftigt | ca. 50 | Verschwindend geringe Zahl |
| Von Menschenhandel/Zwang betroffen | Schätzungsweise 30–95 % | Je nach Quelle stark abweichend |
🔍 Offiziell gemeldet: Nur die Spitze des Eisbergs
Ende 2022 waren lediglich rund 10 Prozent der geschätzten Prostituierten bei den Ordnungsbehörden gemeldet. Das Prostituiertenschutzgesetz von 2017 sollte eigentlich für mehr Transparenz sorgen, doch die Realität sieht anders aus. Gerade einmal 50 Frauen arbeiten sozialversicherungspflichtig in diesem Bereich – ein klares Zeichen dafür, dass die Vorstellung von Prostitution als "Job wie jeder andere" nicht der Realität entspricht.
📈 Die Dunkelziffer: 250.000 bis 400.000
Politiker der Unionsfraktion sprechen von mindestens 250.000 Prostituierten in Deutschland. Andere Quellen gehen sogar von bis zu 400.000 aus. Die Differenz erklärt sich durch die schwer erfassbare Dunkelziffer: Viele Frauen arbeiten in sogenannten "Terminwohnungen", die nur für wenige Tage angemietet werden und für Behörden kaum kontrollierbar sind.
⚖️ Die politische Debatte: Nordisches Modell für Deutschland?
„In Deutschland gibt es mindestens 250.000 Prostituierte. Die allermeisten sind nicht freiwillig in dieser Situation.“ Die Unionsfraktion fordert ein Sexkaufverbot nach nordischem Vorbild: Bestraft werden sollen die Freier, nicht die Prostituierten. Das bisherige Prostituiertenschutzgesetz sei gescheitert. Auch Bundestagspräsidentin Julia Klöckner (CDU) bezeichnete Deutschland kürzlich als „Puff Europas“ und verlangt ein bundesweites Verbot.
Margarete Mureșan von der Beratungsstelle "In Via" warnt: Ein Verbot würde die Prostitution nur ins Dunkelfeld verschieben, in dem Gewalt zunimmt und Hilfe nicht mehr ankommt. Auch die Gewerkschaft der Polizei (GdP) lehnt ein Verbot ab, weil es die Kontrollen erschwere und mehr Ermittlungsarbeit bedeute. Die Legalisierung von 2002 habe die Prostitution aus der Illegalität geholt und Transparenz geschaffen.
🗺️ Regionale Unterschiede: So unterschiedlich ist Deutschland
🏛️ Brandenburg: 87 offiziell Angemeldete – und die Realität
Auf eine kleine Anfrage der CDU im Landtag antwortete das Brandenburger Gesundheitsministerium: Man wisse von 24 Bordellen und lediglich 87 angemeldeten Prostituierten. Doch die Beratungsstelle "In Via" zeichnet ein anderes Bild: Nach der Corona-Pandemie gibt es kaum noch feste Bordelle, stattdessen arbeiten die Frauen in schwer kontrollierbaren Terminwohnungen. Ein Drittel der Prostituierten in Brandenburg könnte von Menschenhandel betroffen sein.
❓ Freiwillig oder gezwungen?
Die entscheidende Frage in der Debatte ist: Wie viele Huren arbeiten freiwillig? Die Einschätzungen gehen extrem auseinander:
- Unionsfraktion: 85 bis 95 % der Prostituierten arbeiten nicht freiwillig.
- Beratungsstelle "In Via": Etwa ein Drittel könnte von Menschenhandel und Zwang betroffen sein.
- CDU-Politikerin Kristy Augustin: Nur eine von zehn Prostituierten arbeite freiwillig und selbstbestimmt – allerdings ohne Beleg.
Die Wahrheit liegt vermutlich irgendwo dazwischen – und ist regional und individuell unterschiedlich. Fakt ist: Die hohe Dunkelziffer und die schwer kontrollierbaren Strukturen machen exakte Aussagen nahezu unmöglich.
🎯 Fazit: Huren in Deutschland – zwischen Legalität und Elend
Wie viele Huren und Nutten in Deutschland arbeiten, lässt sich nicht präzise beantworten. Die offiziellen Zahlen von etwa 30.000 bis 40.000 Angemeldeten bilden nur die legal arbeitende Minderheit ab. Die tatsächliche Zahl dürfte irgendwo zwischen 250.000 und 400.000 liegen. Einig sind sich alle Seiten nur in einem Punkt: Die Situation ist verbesserungswürdig. Ob das Nordische Modell die Lösung oder das Problem verschlimmert – darüber wird in den kommenden Jahren heftig gestritten werden.
Was bedeutet das für Freier? Wer eine Hure in Deutschland besucht, sollte sich bewusst sein, dass er sich in einem rechtlich und ethisch komplexen Feld bewegt. Seriöse Etablissements und angemeldete Prostituierte bieten zumindest eine gewisse Sicherheit – die dunkle Seite der Branche spielt sich anderswo ab.