1,8 Millionen Follower einfach gelöscht: Playboy kritisiert Facebook
1. Was ist passiert?
Die deutsche Playboy-Seite auf Facebook existiert seit dem 17. Februar 2025 nicht mehr. Mehr als 1,8 Millionen Follower sind damit von heute auf morgen verschwunden – für die Redaktion ein harter Schlag. Betreiber der deutschen Playboy-Ausgabe ist die Kouneli Media GmbH, eine Tochter der Kouneli Holding. Geschäftsführende Gesellschafter sind Florian Boitin und Myriam Karsch.
Nach einem Einspruch der Redaktion teilte Meta am 19. Februar mit: Die Überprüfung sei abgeschlossen, die Sperrung und Löschung der Seite sei endgültig. Eine vorherige Abmahnung oder konkrete Hinweise auf problematische Inhalte habe es nicht gegeben.
2. Die Begründung von Meta
Meta beruft sich auf seine "Gemeinschaftsregeln" und nennt als Gründe für die endgültige Deaktivierung:
- „Sexuell motivierte Kontaktaufnahme durch Erwachsene“
- „Nacktheit und sexuelle Handlungen“
Die Playboy-Redaktion kritisiert, dass Meta bis heute keine konkrete Auskunft darüber gegeben habe, welche Beiträge tatsächlich gegen die Regeln verstoßen haben sollen. Die Antwort von Meta sei eine automatisch generierte Standardmitteilung gewesen – ohne Bezug zu konkreten Inhalten.
3. Playboy – mehr als „nackte Haut“
Das Magazin wurde 1953 von Hugh Hefner gegründet und definiert sich selbst als „Unterhaltung für Erwachsene“ mit zwei Säulen: leicht bekleidete Models einerseits, meinungsstarker, couragierter und preisgekrönter Journalismus andererseits. In Deutschland erscheint der gedruckte Playboy seit 2019 monatlich bei Kouneli Media. Neben den erotischen Inhalten gibt es regelmäßig Interviews mit Zeitzeugen, Politikern und Künstlern – eine Mischung, die das Magazin von reiner Pornografie abgrenzt.
Kouneli ist zudem eng mit der Fivemonkeys Media verbunden, zu der Magazine wie CHIP, DigitalPHOTO, Mac Life und Connect gehören – also durchaus seriöse Titel. Die Löschung der Facebook-Seite trifft daher nicht nur eine Erotikmarke, sondern auch ein publizistisches Unternehmen.
4. Kritik an Metas Regeln: Willkür und Intransparenz
🔍 Unabhängige Einschätzung: Soziale Netzwerke wie Facebook ticken nach US-Recht oder eigenen Moralvorstellungen. Was in den USA als "anstößig" gilt, ist in Europa oft völlig normal. Die Löschung von Playboy Deutschland zeigt ein grundsätzliches Problem: Metas Regeln sind intransparent, ihre Durchsetzung willkürlich. Konkrete, individuelle Prüfungen finden kaum noch statt – automatische Algorithmen entscheiden. Bei frivolen Themen weicht die US-amerikanische Moralvorstellung deutlich von der europäischen ab.
Gleichzeitig sind Facebook & Co. bei Hate Speech und Hetze oft zurückhaltend – das wird dann mit "Meinungsfreiheit" begründet. Eine Doppelmoral, die viele Nutzer längst kritisiert sehen.
Versuche aus Europa, klare Richtlinien durchzusetzen – etwa über den Digital Networks Act (DNA) – stoßen bei US-Konzernen erwartungsgemäß auf Ablehnung. Auf Dauer könnte nur ein reichweitenstarkes soziales Netzwerk mit Sitz in Europa Abhilfe schaffen, das sich an europäische Gesetze hält. Ein solches Angebot ist derzeit nicht in Sicht.
5. Wie geht es weiter? Alternativen für Playboy-Fans
Die Playboy-Redaktion ruft ihre Follower dazu auf, sich auf der eigenen Webseite und anderen Plattformen zu sammeln. Auch bei Instagram und X (Twitter) ist Playboy Deutschland noch präsent – allerdings mit geringerer Reichweite. Die 1,8 Millionen Facebook-Fans sind vorerst verloren.
Meta wird vermutlich erst dann reagieren, wenn ihnen die Nutzerbasis davonläuft – oder wenn drakonische Strafen der EU-Behörden die Konzerne zum Umdenken zwingen. Für Playboy Deutschland bleibt nur der Gang in die Offensive: öffentliche Kritik, rechtliche Prüfung und der Ausbau eigener Kanäle.
6. Fazit: Ein Fall, der grundsätzliche Fragen aufwirft
Ob man die Bilder des Magazins nun "schön", "abstoßend" oder schlicht "langweilig" findet, ist nicht die entscheidende Frage. Der Fall Playboy zeigt vielmehr, wie mächtig und gleichzeitig intransparent die großen US-Social-Media-Konzerne agieren. Millionen von Followern können von heute auf morgen verschwinden – ohne echte Begründung, ohne Rechtsmittel, ohne menschlichen Ansprechpartner. Das sollte allen Nutzern und Unternehmen zu denken geben.
Unsere Meinung: Facebook & Co. müssen sich europäischen Standards beugen. Automatisierte Löschungen ohne individuelle Prüfung sind nicht akzeptabel. Solange Konzerne wie Meta ihre eigenen Regeln nach Gutdünken auslegen und durchsetzen, bleibt die Meinungsfreiheit im Netz eine Illusion.